Priester

Diözesanklerus
Rückgang

 

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Grosse Veränderungen in den letzten Jahrzehnten

Die Personalsituation der Schweizer Bistümer war in den letzten Jahrzehnten grossen Veränderungen unterworfen. Im Gefolge des Zweiten Vatikanischen Konzils hat sowohl der ehrenamtliche als auch der professionelle Einsatz von Laien in der Seelsorge stark an Bedeutung gewonnen. Verstärkt wurde diese Entwicklung durch einen deutlichen Rückgang der Zahl der Priester. Die grosse Vielfalt an kirchlichen Berufen und ehrenamtlichen Engagements lässt sich in der vorliegenden Personalstatistik indes nur bedingt abbilden.

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Ein masssiver Rückgang der Diözensapriester

Die Zahl der Diözesanpriester mit einem festen Wohnsitz in der Schweiz hat sich seit 1950 halbiert (Tabelle 4.1). Allein seit der Jahrhundertwende nahm sie um ein Viertel ab. Zwischen den Bistümern gibt es dabei grössere Unterschiede. Besonders stark war der Rückgang in den Bistümern St. Gallen, Basel, Sitten sowie Lausanne, Genf und Freiburg, während er in den Bistümern Chur und Lugano vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten geringer ausfiel.

Tabelle 4.1: Diözesanpriester wohnhaft in einem Schweizer Bistum (1950–2017)

Bistum195019601970198019902000200520102012201520162017Veränderung in % 1950-2015Veränderung in % 2000-2015
Basel1044967995846731585492444439401387387-62-31
Chur560615606561451390381365351349343340-38-11
St. Gallen34130725824617713512611111110110198-70-25
Sitten251258243224199158142138130129131136-49-18
LGF508515563475416374360291256264258256-48-29
Lugano282273273228214217208204202195195192-31-10
Schweiz298629352938258021881859170915531489143914151409-52-23
Anmerkung: Die Daten umfassen alle Diözesanpriester mit einem festen Wohnsitz in einem Schweizer Bistum. Dazu gehören auch jene, die in einem anderen Schweizer Bistum oder einer ausländischen Diözese inkardiniert sind. Nicht einbezogen sind hingegen Diözesanpriester eines Schweizer Bistums, die ihren Wohnsitz ausserhalb ihres Bistums haben. Die Angaben des Bistums LGF (2010) stammen aus dem Jahr 2009. Quelle: Annuario Pontificio / Schweizer Bistümer

Diözesanklerus

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1409 Diözesanpriester leben in der Schweiz

Tabelle 4.2 umfasst alle Diözesanpriester, die in einem Schweizer Bistum inkardiniert sind. Dazu gehören auch jene Diözesanpriester eines Bistums, die in einer anderen Schweizer Diözese oder im Ausland wohnhaft und tätig sind. Insgesamt sind etwas weniger Diözesanpriester in Schweizer Bistümern inkardiniert, als in der Schweiz wohnhaft sind. Es wohnen also mehr ausländische Diözesanpriester in der Schweiz als im Gegenzug Schweizer Diözesanpriester im Ausland.

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Die Zukunft sieht düster aus: ein Drittel weniger Priester bis ins Jahr 2029

Gemäss einer Prognose des SPI wird die Zahl der Diözesanpriester in den nächsten Jahren noch einmal in allen Bistümern zurückgehen, wenn auch in deutlich unterschiedlichem Ausmass. Im Jahr 2029 dürften nur noch etwas mehr als 900 Priester einem Schweizer Bistum angehören. Das sind rund ein Drittel weniger als heute.

Tabelle 4.2: Diözesanpriester inkardiniert in einem Schweizer Bistum Entwicklung 1991–2012 und Prognosen 2019/2029

Bistum1991201220192029Veränderung 1991-2012 (%)Veränderung 2012-2029 (%)
Basel693404310224-42-45
Chur421316276235-25-26
St. Gallen200997652-51-47
Sitten20411710277-43-34
LGF384218204166-43-24
Lugano204181161157-11-13
Schweiz210613351129911-37-32
Anmerkung: Quelle: Schweizer Bistümer / Prognosen SPI

Priesteramtskandidaten

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Nachwuchs fehlt bei den Priesteramtskandidaten

Grafik 4.1 zeigt, dass die Zahl der Priesteramtskandidaten schweizweit bis etwa Mitte der 1960er Jahre stieg, im Laufe der 1970er Jahre aber auf die Hälfte einbrach. Nach einer Stabilisierung in den 1980er Jahren, die u.a. auf die geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge zurückzuführen sein dürfte, gab es in den letzten beiden Jahrzehnten erneut eine starke Abnahme. Gab es 1990 rund 180 Priesteramtskandidaten, sind es heute noch rund 80.

Grafik 4.1: Priesteramtskandidaten in den Schweizer Bistümern (1950–2017)

Spezialfall Lugano

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Das Bistum Lugano als Spezialfall mit zwei Priesterseminaren

Ein Spezifikum ist, dass im Bistum Lugano zwei diözesane Priesterseminare existieren. Eines der beiden Seminare wird vom Neokatechumenalen Weg geführt.

Tabelle 4.3: Priesteramtskandidaten nach Bistümern (1991–2017)

Bistum19911995200020052010201520162017
Basel5140242012111415
Chur344492214211828
St. Gallen2115662341
Sitten2610946323
LGF2722251275311
Lugano1813413952282326
Schweiz17714411410393716484
Schweiz ohne Lugano159131736441434158
Anmerkung: Die markante Steigerung im Bistum Lugano ist auf die Neugründung des Priesterseminars Redemptoris Mater des Neokatechumenalen Weges im Jahr 1998 zurückzuführen. Die Angaben des Bistums Basel stammen aus dem Jahr 2011. Quelle: Annuario Pontificio / Schweizer Diözesen

Priesterweihen

 

 

 

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Der Nachwuchs fehlt: die Priesterweihen brechen ein

Priesterweihen und Todesfälle von Diözesanpriestern sind die beiden mit Abstand wichtigsten Faktoren, die die Entwicklung der Zahl der Diözesanpriester in einem Bistum beeinflussen. Mit schweizweit durchschnittlich nur gerade 7 Priesterweihen pro Jahr hat die Zahl der Neupriester in den letzten Jahren stark abgenommen. Für die Jahre seit 1975 bis Anfang dieses Jahrhunderts galt hingegen, dass die Zahl der Priesterweihen zwar Schwankungen unterlag, insgesamt aber relativ stabil blieb (Grafik 4.2).

Grafik 4.2: Priesterweihen von Diözesanpriestern pro Jahr in den Schweizer Bistümern (1975–2017)

Anmerkung: Anmerkung: Es wurde jeweils für eine Zeitperiode die durchschnittliche Zahl der Priesterweihen pro Jahr berechnet.

Priesterweihen
die anderen Bistümer

 

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Etwas kleinere Unterschiede

Etwas kleiner als bei den Priesteramtskandidaten sind die Unterschiede zwischen dem Bistum Lugano zu den anderen Bistümern bei den Priesterweihen. Angesichts seiner Grösse hat das Bistum Lugano eine stattliche Anzahl Priesterweihen durchgeführt.

Grafik 4.2.2: Priesterweihen von Diözesanpriestern in den Schweizer Bistümern (1990–2017)

Neupriester versus
Todesfälle

 

DiözesanklerusMehr Todesfälle als Neupriester

Der grosse Einbruch der Priesterweihen fand bereits in den Jahrzehnten zuvor statt. Seither kann die Zahl der Neupriester jene der Todesfälle bei weitem nicht mehr kompensieren. So kamen von 2010–2014 auf rund 10 Todesfälle 2.3 Priesterweihen von Diözesanpriestern. Von 2015-2017 kamen auf rund 10 Todesfälle noch 1.7 Priesterweihen.

Grafik 4.3: Anzahl Priesterweihen von Diözesanpriestern auf zehn Todesfälle in Schweizer Bistümern (1975–2017)

Sie haben die Pflegefachhochschule absolviert und später auf der medizinisch-onkologischen Abteilung in Brig gearbeitet, bevor Sie das Theologie- und Philosophiestudium in Angriff genommen haben. Was gab den Ausschlag, Ihrer Berufung zu folgen?
Gott hat mich sanft und ausdauernd in die Nachfolge gerufen. Auf der Palliativstation hatte ich viel mit sterbenden Menschen zu tun. Regelmässig wurden auf Wunsch der Patienten Priester auf die Station gerufen. Die Priester beteten für die Menschen und spendeten die Krankensalbung. Ich stellte fest, dass durch dieses Sakrament viele Kranke gestärkt wurden und es ihnen half, besser mit dem Leiden umzugehen. Der Ruf zum Priestertum ist in dieser Zeit gewachsen.

Würde eine Aufhebung des Zölibats dem Priestermangel bei uns Abhilfe schaffen?
Ich bezweifle, dass dieser durch die Aufhebung des Zölibats behoben werden könnte. Andere christliche Glaubensgemeinschaften halten nicht am Zölibat fest, leiden aber genauso an Priestermangel wie die katholische Kirche in Westeuropa. Ich glaube nicht, dass durch die Aufhebung des Zölibats der Priestermangel behoben werden kann. Viele Priester haben mehr Probleme mit der Einsamkeit als mit dem Zölibat. Es ist wichtig, dass die Priester Freundschaften pflegen und miteinander beten können. Priestergemeinschaften sind ein vielversprechendes Modell für die Zukunft. Jesus sandte die Jünger nie alleine aus. Er wusste warum.

Martin Filipponi

in: 1815.ch, rz, 4.5.2017

Diözesanklerus aus
dem Ausland

 

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Zahl der zu einem ausländischen Bistum gehörenden Diözesanpriester haben zugenommen

Tabelle 4.5 zeigt, dass die Zahl der zu einem ausländischen Bistum gehörenden Diözesanpriester in den letzten zwei Jahrzehnten überall zugenommen hat. Ihr Anteil an den Diözesanpriestern, die insgesamt in einem Bistum wohnen, hat seit 1992 von 8% auf 22% zugenommen und sich damit mehr als verdoppelt. Mit 26% überdurchschnittlich hoch ist ihr Anteil im Bistum Lugano, während er in St. Gallen mit 10% eher niedrig ist. Dass diese Angaben nur begrenzt aussagekräftig sind für den effektiven Einsatz von Priestern mit einer ausländischen Herkunft in den Schweizer Bistümern zeigt eine Auswertung des diözesanen Personalverzeichnisses von Lausanne, Genf und Freiburg aus dem Jahr 2010. Diese ergab, dass rund ein Drittel der im Bistum wohnhaften Priester bzw. rund ein Viertel der Diözesanpriester keinen Schweizer Pass besitzt. Vergleichbare Angaben für die anderen Bistümer liegen nicht vor.

Tabelle 4.5: Diözesanpriester wohnhaft im Bistum, inkardiniert im Ausland (1992–2017)

Bistum199220052010201520162017Veränderung 1992-2017Anteil am Total 1992 (%)Anteil am Total 2017 (%)
Basel61546685808423922
Chur424964787379371023
St. Gallen3791012107210
Sitten6161719202115315
LGF30604259586232724
Lugano233742514750271126
Schweiz165223240302290306141822
Anmerkung: Die Angabe des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg in der Spalte 1992 stammt aus dem Jahr 1991. Die Angabe desselben Bistums des Jahrs 2010 aus dem Jahr 2009. Das Total bezieht sich jeweils auf alle im Bistum wohnhaften Diözesanpriester. Quelle: Schweizer Bistümer

Altersstruktur

 

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Das Durchschnittsalter der Priester liegt bei gut 65 Jahren

Das Durchschnittsalter der Diözesanpriester der Schweizer Bistümer lag im Jahr 2012 bei gut 65 Jahren. Rund die Hälfte befindet sich also im staatlichen Rentenalter. Grafik 4.4 gibt die Altersstruktur der Diözesanpriester wieder. Dabei wurden jeweils Altersgruppen von fünf Jahren gebildet. 2017 stellten die 75-79jährigen und die 80-85jährigen Diözesanpriester die grössten Altersgruppen dar. Ebenfalls relativ stark vertreten sind die 70-74jährigen. Die Spitzen bei diesen Altersgruppen verdeutlichen gut das hohe Durchschnittsalter der Diözesanpriester.

Grafik 4.4: Altersstruktur der Diözesanpriester in der Schweiz 2017

Ständige Diakone
eine wachsende Gruppe

 

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Ständige Diakone: eine wachsende Gruppe

In den meisten Schweizer Bistümern ist das ständige Diakonat relativ spät wieder eingeführt worden. Durch seine starke Förderung in den letzten Jahren hat sich die Zahl der ständigen Diakone in den Schweizer Bistümern seit 1991 vervielfacht. Besonders hoch ist der Anteil der ständigen Diakone in den Bistümern Basel und St. Gallen, am geringsten im Bistum Lugano, das auch in dieser Hinsicht eine Ausnahme darstellt.

Grafik 4.5: Ständige Diakone in den Schweizer Bistümern (1991-2017)