Religionslandschaft Schweiz

Die Veränderung der Religionslandschaft
in der Schweiz

religiös vielfältig

Die Veränderung der Religionslandschaft der SchweizReligiöse Vielfalt und zunehmende Konfessionslosigkeit

An den wesentlichen Entwicklungen, die die religiöse Landschaft in der Schweiz bereits seit mehreren Jahrzehnten prägen und verändern, hat sich auch mit den neusten Zahlen nichts geändert. Die Dominanz der beiden grossen Landeskirchen nimmt weiter langsam aber stetig ab, während die Zahl der Konfessionslosen noch einmal deutlich gestiegen ist.

Die Veränderung der Religionslandschaft der SchweizLeichte Zunahme der religiösen Pluralisierung

Die religiöse Pluralisierung in der Schweiz hat im letzten Jahrzehnt weiter zugenommen. Im Jahr 2016 gehörten etwa 13% der Bevölkerung einer anderen Religionsgemeinschaft oder Konfession als den beiden grossen Kirchen an. Leicht zugenommen hat seit 2000 der Anteil der Muslime, die nach den beiden Hauptkonfessionen die grösste religiöse Gruppe bilden. 5.2 Prozent der Bevölkerung zählen sich zu einer islamischen Gemeinschaft. Ebenfalls etwas zugenommen oder stabil geblieben hat der Anteil der kleineren christlichen Kirchen (5.9%) und der anderen Religionsgemeinschaften (1.4%).

Tabelle 1.1: Wohnbevölkerung (1970-2000) und Wohnbevölkerung ab 15 Jahren (2011–2016) nach religiöser Zugehörigkeit in Prozent

Religionsgemeinschaft1970198019902000201120122013201420152016
Römisch-katholische Kirche49.447.646.241.838.438.23837.937.336.5
Evangelisch-reformierte Kirche46.443.938.53327.826.926.125.524.924.5
Andere christliche Kirchen22.33.54.45.65.75.85.75.85.9
Jüdische Glaubensgemeinschaften0.30.30.30.30.30.30.20.20.20.3
Islamische Glaubensgemeinschaften0.30.92.24.34.94.95.15.15.15.2
Andere Religionsgemeinschaften0.10.20.40.81.21.31.31.31.41.4
Konfessionslose1.13.87.411.120.621.422.22323.924.9
Ohne Angabe0.41.11.54.31.21.31.31.21.31.3
Anmerkung: Die neue Volkszählung umfasst nur noch Personen ab 15 Jahren (ab Jahr 2011). Quelle: Eidgenössische Volkszählungen und Strukturerhebungen, BFS

Die Katholische Kirche
relativ stabil

Die Veränderung der Religionslandschaft der SchweizDie Katholische Kirche ist relativ stabil in der Mitgliederentwicklung

Die römisch-katholische Kirche hat demnach seit dem Jahr 2000 Anteile verloren, die evangelisch-reformierte Kirche in einem etwas stärkeren Ausmass. Auf den ersten Blick erstaunt deshalb vielleicht, dass die Zahl der katholischen Kirchenmitglieder insgesamt dennoch relativ stabil geblieben ist, ja in verschiedenen Kantonen sogar leicht zugenommen hat. Dies erklärt sich in erster Linie durch die starke Zuwanderung, die die Schweiz im letzten Jahrzehnt erlebt hat.

Die Veränderung der Religionslandschaft der SchweizZunehmende konfessionelle Durchmischung der Kantone

Die konfessionelle Durchmischung der Kantone hat sich aufgrund der inner- und zwischenstaatlichen Migration auch im letzten Jahrzehnt fortgesetzt. Zwar ist in den traditionell katholischen Kantonen der Zentralschweiz, im Tessin sowie in den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Freiburg, Wallis und Jura die konfessionelle Prägung nach wie vor deutlich erkennbar. Gleichzeitig ist gerade in diesen ländlichen Kantonen der Anteil der katholischen Kirche an der Bevölkerung besonders stark zurückgegangen

Tabelle 1.2: Katholische Wohnbevölkerung nach Kantonen (1970-2016)

Kanton1970198019902000201120122013201420152016
Zürich406280397018410105380440324844322234328967333663330740331174
Bern160074148505161802153357132340130055137074137354135249132976
Luzern246888244066255106248545205972206978204879207774206702206909
Uri31732308433048029846237952406923703239502358223703
Schwyz84087842858997792868806887960679234791737954078088
Obwalden23382238152553225992220372211522475221152251022313
Nidwalden23130246382710128132239442427124373238622397424553
Glarus16727157861588214246120011152011392118181192810661
Zug54840571896056261873507765261451912531725136552791
Fribourg154677154161169363170069146999148351150445152193154231154038
Solothurn132370119787117850106263813717647278325790718028076568
Basel Stadt95640723015070546802312443165730263313042818329185
Basel Land92075906338960883034663946597567233660896643262649
Schaffhausen23277192531951617790148211468815367159471524515398
Appenzell Ausserrhoden13553136701633816307136351399114068133541305312752
Appenzell Innerrhoden124581163011875118889493101379904966695209305
St. Gallen244625239223247885236733188923191583190854191739188894189491
Graubünden85803840038614887245720647204772037712837569571627
Aargau215632210976224836219800183049184917182002184917182717181459
Thurgau79633752968204481541683787109371612725077293971816
Tessin220313231653235669233023196060199956201384204321202463200714
Waadt184914188520228133215401181218187280190278191977191850192594
Wallis196082203041221169221146198650200291202169203587203768201097
Neuenburg64919572565968351257349593500334839334863437331641
Genf177067178208181206163197128673128669126453129821127591125332
Jura56476543135374651092398904067841155416464061741813
Schweiz3096654303006931723213047887253221725446022562396258578825734432550647
Anmerkung: Die neue Volkszählung umfasst nur noch Personen ab 15 Jahren (ab Jahr 2011). Quelle: Eidgenössische Volkszählungen und Strukturerhebungen, BFS

Grafik 1.1: Anteil Katholiken an der Wohnbevölkerung (1970) und an der Wohnbevölkerung ab 15 Jahren (2011, 2015 und 2016) in Prozent

Wird die Freiwilligenarbeit mitberechnet, erbringen die Zürcher Landeskirchen gemäss einer neuen Studie Leistungen von 62 Millionen Franken. 50 Millionen Franken bekommen sie jährlich vom Kanton. Deutlich sichtbar wird so der gesellschaftliche Mehrwert, den die Kirchen schaffen. Auch im Kanton Solothurn sind die freiwilligen sozialen Leistungen der Kirchen in einer Studie berechnet worden. Resultat: Sie entsprechen einem Lohngegenwert von jährlich rund 31 Millionen Franken.

in: Ohne Kirche müsste der Kanton einspringen, Südostschweiz, 19. Juli 2017.

Die evangelisch-reformierten Kirchen
stärker unter Druck

Die Veränderung der Religionslandschaft der SchweizDie evangelisch-reformierte Kirche hat deutlich an Mitgliedern verloren

Von der Zuwanderung hat die römisch-katholische Kirche stärker profitiert als die evangelisch-reformierte Kirche, welche im letzten Jahrzehnt auch in absoluten Zahlen Mitglieder verloren hat. Eine klar reformierte Prägung weist heute nur noch der Kanton Bern auf. Mit Werten von über 35% die deutlich grösste konfessionelle Gruppe bilden die Reformierten zudem nach wie vor in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Schaffhausen.

Grafik 1.2: Anteil Reformierte an der Wohnbevölkerung (1970) und an der Wohnbevölkerung ab 15 Jahren (2011, 2015 und 2016) in Prozent

Die Konfessionslosen
eine wachsende Gruppe

Die Veränderung der Religionslandschaft der SchweizZunehmende Konfessionslosigkeit

Stark zugenommen hat im letzten Jahrzehnt vor allem die Zahl jener Personen, die keiner Religionsgemeinschaft angehören. Der Anteil der Konfessionslosen liegt mittlerweile bei 24.9%. Dabei gibt es jedoch grosse geografische Unterschiede. So bilden in den Kantonen Basel-Stadt (47.5%) und Neuenburg (44.4%) die Konfessionslosen bereits deutlich die grösste Gruppe.

Grafik 1.3: Anteil Konfessionslose an der Wohnbevölkerung (1970) und an der Wohnbevölkerung ab 15 Jahren (2011, 2015 und 2016) in Prozent

Anmerkung: Für den Kanton Appenzell Innerrhoden liegen für das Jahr 2011 keine repräsentativen Daten vor.

Sprachregionen
markante Unterschiede

Die Veränderung der Religionslandschaft der SchweizSprachregionen – markante Unterschiede

In der deutschsprachigen Schweiz ist der Anteil an Konfessionslosen geringer als in der französischsprachigen Schweiz. Dort ist mehr als jeder Vierte konfessionslos. Die italienische Schweiz ist klar katholisch geprägt.

Grafik 1.4: Religionszugehörigkeit der ständigen Wohnbevölkerung 2016 ab 15 Jahren nach Sprachregionen in Prozent

 

Fünf grosse Schweizer Städte
Konfessionslosigkeit prägt

Die Veränderung der Religionslandschaft der SchweizKonfessionslosigkeit und Urbanität gehören zusammen

Allgemein gilt: Je städtischer ein Kanton geprägt ist, desto mehr Menschen bezeichnen sich als konfessionslos. In den fünf grössten Schweizer Städten liegt der Anteil der Konfessionslosen bei über 28%. In den Städten Genf, Lausanne, Zürich und Basel bilden sie bereits die grösste Gruppe. Die Reformierten haben ihre traditionell starke Stellung in den grossen Städten in den letzten Jahrzehnten hingegen weitgehend eingebüsst. Eine Ausnahme bildet Bern.

Grafik 1.5: Religionszugehörigkeit in den fünf grössten Schweizer Städten in Prozent (Wohnbevölkerung 1970 / Wohnbevölkerung ab 15 Jahren 2010, 2015 und 2016)

 

Zürich

 

Bern

 

Basel

 

Lausanne

 

Genf

 

Quelle: Eidgenössische Volkszählungen bis ins Jahr 2000, ab dem Jahr 2010 jährliche Strukturerhebungen, BFS

Geburten und Heiraten
Veränderungen deutlich sichtbar

Die Veränderung der Religionslandschaft der SchweizReligiöse Vielfalt und zunehmende Konfessionslosigkeit

Wie stark sich die Religionslandschaft in der Schweiz in den letzten 40 Jahren verändert hat, zeigt auch die Entwicklung der Religionszugehörigkeit der Mütter von Neugeborenen sowie jener, die eine Ehe geschlossen haben. Waren 1970 noch fast alle Mütter von Neugeborenen entweder reformiert oder katholisch, so war dies 2012 nur noch in knapp zwei Drittel der Geburten der Fall. 12.5% der Mütter von Neugeborenen sind muslimisch, was gut die relativ junge Altersstruktur dieser Religionsgemeinschaft zum Ausdruck bringt ist. Untervertreten im Vergleich zur Gesamtbevölkerung sind hingegen die Konfessionslosen (14.3%) und die protestantischen Kirchen (24.5%). Diese Daten liegen nur bis ins Jahr 2012 vor.

Grafik 1.6: Geburten nach Religionszugehörigkeit der Mutter (1970–2012)

 

Anmerkung: Ohne Geburten mit unbekannter Religionszugehörigkeit der Mutter, was 2012 in rund 11% der Geburten der Fall war. Bei den römisch-katholischen sind die christkatholischen Mütter eingeschlossen. Die protestantischen Mütter umfassen nicht nur die Mitglieder der evangelisch-reformierten Landeskirchen, sondern auch jene weiterer protestantischer Kirchen. Die Zugehörigkeit zur islamischen Religionsgemeinschaft wird erst seit Mitte der 1990er Jahre separat erfasst. Zuvor waren die Musliminnen Teil der Kategorie «Andere Religionen». Diese Daten liegen nur bis ins Jahr 2012 vor.

Grafik 1.7: Eheschliessende nach Religionszugehörigkeit (1972–2012)

 

Anmerkung: Ohne Personen mit unbekannter Religionszugehörigkeit, was 2012 bei fast 12% der Eheschliessenden der Fall war. Die protestantischen Eheschliessenden umfassen nicht nur die Mitglieder der evangelisch-reformierten Landeskirchen, sondern auch jene weiterer protestantischer Kirchen. Die Zugehörigkeit zur islamischen Religionsgemeinschaft wird erst seit Mitte der 1990er Jahre separat erfasst. Zuvor waren die Muslime Teil der Kategorie «Andere Religionen». Diese Daten liegen nur bis ins Jahr 2012 vor.