Migrationshintergrund

Religionszugehörigkeit und Migrationshintergrund

Religionszugehörigkeit und MigrationshintergrundDie meisten Menschen mit Migrationshintergrund sind Christinnen und Christen

In öffentlichen Diskussionen und Debatten wird oft vergessen, dass der grösste Teil der zugewanderten Menschen in der Schweiz einer christlichen Kirche angehört, nämlich mehr als die Hälfte der Menschen mit Migrationshintergrund. Die grösste Teil davon gehört der römisch-katholischen Kirche an, während 9% reformiert sind. Über ein Viertel sind konfessionslos, gut ein Achtel sind Muslime und ca. ein Zehntel gehören einer anderen christlichen Gemeinschaft an.

Religionszugehörigkeit und MigrationshintergrundOhne Migrationshintergrund: die beiden Grosskirchen dominieren

Ein ganz anderes Bild zeigt sich bei Personen ohne Migrationshintergrund: Hier gehören über drei Viertel einer christlichen Konfession an, wobei sich die Anteile beider Grosskirchen in etwa gleich halten. Davon gehören 36.5% der römisch-katholischen Kirche an, 35.7% der evangelisch-reformierten Kirche und 3.9% einer anderen christlichen Gemeinschaft. Die nichtchristlichen Religionsgemeinschaften sind hier kaum vertreten (unter 1%). Einen Anteil von ca. einem Fünftel an der Gesamtbevölkerung machen die Konfessionslosen aus.

Religionszugehörigkeit und MigrationshintergrundReligionszugehörigkeit und Migrationshintergrund: Unterschiede je nach Herkunftsland

Markante Unterschiede zeigen sich, wenn die ausländischen Staatsangehörigen nach Herkunftsregionen aufgefächert werden. So ist mehr als jeder zweite EU/EFTA-Bürger in der Schweiz katholisch, ein Drittel ist konfessionslos. Nur 1.3% sind hingegen muslimisch. Ganz anders das Bild bei den europäischen Bürgern, die keinem EU/EFTA-Staat angehören: Fast 60% von ihnen sind muslimisch (v.a. Türkei, Albanien, Kosovo, Bosnien). 19% gehören anderen christlichen Kirchen an (v.a. orthodoxe und evangelische Christen). Bei den Bürgern aussereuropäischer Staaten wiederum bilden die Konfessionslosen mit gut 26% die grösste Gruppe, gefolgt von den Katholiken (17.6%). Deutlich übervertreten sind in dieser Gruppe vor allem die weiteren Religionsgemeinschaften (17.1%, v.a. Hindus, Buddhisten etc.) und die Muslime (19.8%).

Grafik 1.21: Zusammensetzung der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren 2016 nach Religionszugehörigkeit in Prozent

Anmerkung: Zu den Bürgern anderer europäischer Staaten ohne EU/EFTA zählen auch die türkischen Staatsangehörigen.

Religionszugehörigkeit und Migrationshintergrund

Religionszugehörigkeit und MigrationshintergrundMigrationshintergrund und ausländische Staatsangehörigkeit: Unterschiede zwischen den beiden grossen Kirchen

In Grafik 1.26 wird der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund und der Ausländeranteil der verschiedenen Religionsgemeinschaften miteinander verglichen. 38.1% der katholischen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren hat einen Migrationshintergrund, der Ausländeranteil beträgt 25.2%. Dies entspricht ungefähr der Zusammensetzung der Gesamtbevölkerung. Bei den Reformierten verfügt hingegen nur knapp jeder Zehnte über einen Migrationshintergrund und der Ausländeranteil liegt bei tiefen 4.6%. Ganz anders sieht dies bei den muslimischen Gemeinschaften aus: 97.3% der Muslime haben einen Migrationshintergrund und der Ausländeranteil beträgt knapp zwei Drittel. Immerhin ein Drittel der Muslime hat mittlerweile also die Schweizer Staatsbürgerschaft. Auffällig ist zudem, dass auch Konfessionslose überdurchschnittlich oft einen Migrationshintergrund aufweisen (44.5%).

Grafik 1.26: Religionszugehörigkeit der ständigen Wohnbevölkerung mit Migrationshintergrund und ausländischer Staatsangehörigkeit 2016 in Prozent

Nicht nur die Reformierten ­haben das Potenzial erkannt. «Die Migrationsgemeinden bereichern unser kirchliches Leben durch die verschiedenen Kulturen», sagt Urban Federer (48), Abt des Klosters Einsiedeln SZ und Mitglied der Schweizer Bischofskonferenz. Die Kirche habe sich schon immer über Zuwanderer aufgebaut. «Es braucht also die Migration, auch in Zukunft.» Die ­Bischofskonferenz sei aktuell daran, die eigene Dienststelle «Migratio» neu aufzustellen. «Um noch besser auf Fragen und Bedürfnisse von Migranten eingehen zu können.»

Abt Urban Federer

Abt vom Kloster Einsiedeln, in: Roland Gamp und Benno Tuchschmid, Migrantenkirchen boomen in der Schweiz. Sie sind ein Segen für das Christentum, Blick vom 16.4.2017

Religionszugehörigkeit und Migrationshintergrund

Religionszugehörigkeit und MigrationshintergrundKatholische Personen mit Migrationshintergrund: kantonale Unterschiede

Nicht in allen Landesteilen wird die katholische Kirche in gleicher Weise von Migration geprägt (Grafik 1.27). In den Kantonen Genf, Waadt, Schaffhausen, Basel-Stadt, Neuenburg und Zürich bilden Katholiken mit Migrationshintergrund die Mehrheit. Auch in Bern, im Thurgau und im Tessin sind sie stark vertreten. In den traditionell katholisch geprägten Kantonen der Zentralschweiz, aber auch im Jura oder in den Kantonen Wallis, Freiburg und Solothurn verfügen hingegen unter einem Viertel der Katholiken über einen Migrationshintergrund.

Grafik 1.27: Anteil Personen mit Migrationshintergrund und ausländischer Staatsangehörigkeit an der katholischen ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren 2016 nach Kantonen in Prozent

Anmerkung: In den Kantonen UR, OW, NW und AI liegen keine repräsantativen Daten für beide Kategorien vor. In den Kantonen GL, BS, SH, AR, GR, VS, NE, GE und JU liegen keine repräsentativen Daten für die Kategorie Ausländeranteil vor.

Religionszugehörigkeit und Migrationshintergrund

Religionszugehörigkeit und MigrationshintergrundKatholische Personen mit Migrationshintergrund: Unterschiede zwischen den Sprachregionen

Auch die Sprachregionen sind unterschiedlich von Zuwanderung betroffen (Grafik 1.28). Während fast die Hälfte der Katholiken in der franzöischsprachigen und italienischsprachigen Schweiz einen Migrationshintergrund aufweisen, sind es in der deutschsprachigen Schweiz weniger.

Grafik 1.28: Anteil Personen mit Migrationshintergrund und ausländischer Staatsangehörigkeit an der katholischen ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren 2016 nach Sprachregionen