Seelsorgende in den Bistümern

Unterschiedlicher Umgang
mit Priestermangel

Seelsorgende - Situation in den Bistümern

Unterschiedliche Wege im Umgang mit dem Priesterrückgang

Die Schweizer Bistümer sind in den letzten 30 Jahren zum Teil sehr unterschiedlich mit dem Rückgang an Priestern umgegangen. Am deutlichsten zeigt sich dies im unterschiedlichen Einsatz von Pastoralassistent(inn)en und Diakonen in der Pfarreiseelsorge. Grob lassen sich drei Wege unterscheiden, die die Bistümer eingeschlagen haben.

Grafik 4.10: Verteilung der Pfarreiseelsorgenden mit Universitätsabschluss in den Schweizer Bistümern in Prozent (1983–2017)

Das Bistum Basel

 

Seelsorgende - Situation in den Bistümern

Der Weg der Bistümer Basel und St. Gallen

Die Bistümer Basel und St. Gallen haben einen vergleichbaren Weg eingeschlagen, wo die Zahl der in den Pfarreien tätigen Diözesanpriester in den letzten dreissig Jahren um mehr als die Hälfte bzw. um rund 60% zurückgegangen ist. Beiden Diözesen gelang es durch den verstärkten Einsatz von Pastoralassistent(inn)en und Diakonen in der Pfarreiseelsorge den Priesterrückgang weitgehend aufzufangen. Im Bistum Basel stieg der Anteil der Pastoralassistent(inn)en am Seelsorgepersonal in den Pfarreien seit 1983 von gut 10% auf 40% an, während sich der Anteil der Diözesanpriester von 76% mehr als halbierte. Das Bistum Basel weist zudem mit 14% den höchsten Anteil an Diakonen auf.

Tabelle 4.8: Seelsorgende im Bistum Basel 2017

SeelsorgendeSeelsorgende im Bistumsdienst 2017Pfarreiseelsorgende 1983Pfarreiseelsorgende 1995Pfarreiseelsorgende 2005Pfarreiseelsorgende 2017Veränderung Pfarreiseelsorgende (N) 1983-2017
Diözesanpriester245526330277205-321
Ordenspriester6982766743-39
(Ständige) Diakone82855697567
Pastoralassistent(inn)en38372228287267195
· Frauen1871464106124110
· Männer1965816418114385
Katechet(inn)en RPI/KIL131117
· Frauen8376
· Männer4841
Animateurs / Animatrices pastoraux IFM27001111
· Frauen1666
· Männer1155
Total937688689700718425
Anmerkung: Quelle: Bistum Basel

Was bedeutet Ihnen der Dienst in der Kirche?
Der Dienst in der Kirche bedeutet für mich, dass ich die Nachfolge Christi, in der wir alle leben, zu meinem Beruf gemacht habe. In der Kirche tätig zu sein, bedeutet für mich, in kleinen Schritten durch einfache Taten am Reich Gottes mitzubauen. In den Gesprächen in der Seelsorge und im Feiern der Gottesdienste wird die Gemeinschaft derjenigen spürbar, die die gleiche Sehnsucht, die gleiche Hoffnung auf den lebendigen Gott in sich tragen. Menschen, die auch von einer friedlicheren und gerechten Welt träumen, so wie sie uns von Jesus beschrieben wurde.

Fabian Schäuble

in: gs, die Vielfalt der Talente in der Kirche muss zum Ausdruck kommen, kath.ch vom 21.06.2017

Was bedeutet Ihnen der Dienst in der Kirche?
Für mich ist der Dienst in der Kirche sehr wertvoll. Als Christ ist für mich die Arbeit als Seelsorgerin zugleich eine Berufung. Es ist eben nicht «nur» eine Arbeit. Ich arbeite gerne in und für die Kirche. Ich setze mich für den christlichen Glauben, für Gott und die Menschen ein.

Angela Bucher-Adamek

in: gs, Vertrauen und Wertschätzung meiner Arbeit, kath.ch vom 14.06.2017

Das Bistum Chur

Seelsorgende - Situation in den Bistümern

Das Bistum Chur

Eine ähnliche Entwicklung wie die Bistümer Basel und St. Gallen machte das Bistum Chur durch, wenn auch in etwas geringerem Aus­mass (Tabelle 4.9). So liegt der Anteil der Diö­zesanpriester an den Pfarreiseelsorgenden nach wie vor bei rund der Hälfte. Im Bistum Chur fällt auf, dass die drei Bistumsregionen Graubünden, Urschweiz und Zürich/Glarus in den letzten dreissig Jahren sehr unterschiedli­che Personalentwicklungen erlebt haben. Diese begründen sich einerseits in ihren geo­grafisch und historisch unterschiedlichen Vor­aussetzungen, andererseits dürften sie auch auf eine unterschiedliche Personalpolitik in­nerhalb der drei Regionen zurückzuführen sein.

Tabelle 4.9: Seelsorgende im Bistum Chur 2017

SeelsorgendeSeelsorgende im Bistumsdienst 2017Pfarreiseelsorgende 1983Pfarreiseelsorgende 1995Pfarreiseelsorgende 2005Pfarreiseelsorgende 2017Veränderung Pfarreiseelsorgende (N) 1983-2017
Diözesanpriester386305241223243-62
Ordenspriester8065535747-18
(Ständige) Diakone5426284442
Pastoralassistent(inn)en1854384113
· Frauen7991931
· Männer106346582
Katechet(inn)en RPI/KIL75
· Frauen47
· Männer28
Total780415384421
Anmerkung: Quelle: Bistum Chur

Das Bistum St. Gallen

Seelsorgende - Situation in den Bistümern

Ein ähnlicher Weg wie das Bistum Basel

Im Bistum St. Gallen vervielfachte sich der Anteil der Pastoralassistent(inn)en an den Pfarreiseelsorgenden seit 1983, während der Anteil der Diözesanpriester von 80% auf gerade noch 20% zurückging. Die beiden Bistümer Basel und St. Gallen weisen mit je knapp einem Fünftel den höchsten Frauenanteil der Pfarreiseelsorgenden auf.

Tabelle 4.10: Seelsorgende im Bistum St. Gallen 2017

SeelsorgendeSeelsorgende im Bistumsdienst 2017Pfarreiseelsorgende 1983Pfarreiseelsorgende 1995Pfarreiseelsorgende 2005Pfarreiseelsorgende 2017Pfarreiseelsorgende Veränderung (N) 1983-2017
Diözesanpriester52149896945-104
Ordenspriester261217182412
(Ständige) Diakone3205132828
Pastoralassistent(inn)en972569819065
· Frauen36619203428
· Männer611950615637
Katechet(inn)en RPI/KIL3231
· Frauen1515
· Männer1716
Total23918618018121832
Anmerkung: Quelle: Bistum St. Gallen

Die Bistümer Sitten
und Lausanne, Genf

und Freiburg

Seelsorgende - Situation in den Bistümern

Die Bistümer Sitten und Lausanne-Genf-Freiburg

Einen dritten Weg haben die Bistümer Sitten und Lausanne, Genf und Freiburg eingeschla­gen. Auch in diesen beiden Diözesen war in den letzten dreissig Jahren ein starker Rück­gang der Zahl der Diözesanpriester in der Pfar­reiseelsorge zu verzeichnen. Im Gegensatz zur Diö­zese Lugano schliessen die beiden Bistümer Sitten und Lausanne, Genf und Freiburg den Einsatz von Pastoralassistent(inn)en und Dia­konen in der Pfarreiseelsorge zwar nicht grundsätzlich aus. Dennoch ist ihr Anteil am Seelsorgepersonal immer noch relativ klein. Eine be­deutende Ursache dafür dürfte die deutlich geringere Finanzkraft der katholischen Kirche in diesen beiden Bistümern im Vergleich zu den Deutschschweizer Diözesen darstellen. Dies hat dazu geführt, dass in den Bistümern Sitten und Lausanne, Genf und Freiburg stark auf weitere Kategorien von Laienmitarbeiter-(inne)n gesetzt wird, die zwar durchaus eine gewisse theologische Basisausbildung besitzen, jedoch über keinen Universitätsabschluss in Theologie verfügen.

Tabelle 4.11: Seelsorgende im Bistum Sitten 2017

 Seelsorgende im Bistumsdienst 2017Pfarreiseelsorgende 1983Pfarreiseelsorgende 1995Pfarreiseelsorgende 2005Pfarreiseelsorgende 2017Veränderung Pfarreiseelsorgende (N) 1983-2017 
Diözesanpriester701381169965-73
Ordenspriester3062554028-34
(Ständige) Diakone813321
Pastoralassistent(inn)en1806141212
· Frauen1003666
· Männer803866
Animateurs / Animatrices pastoraux IFM40003232
· Frauen2502020
· Männer1501212
Auxiliaires pastoraux FAME11168
· Frauen10865
· Männer33
Total2772011801562076
Quelle: Bistum Sitten

Tabelle 4.12: Seelsorgende im Bistum Lausanne, Genf und Freiburg 2017

SeelsorgendeSeelsorgende im Bistumsdienst 2017Pfarreiseelsorgende 1983Pfarreiseelsorgende 2012Pfarreiseelsorgende 2017Veränderung Pfarreiseelsorgende (N) 1983-2017
Diözesanpriester120280168109-171
Ordenspriester5839335112
(Ständige) Diakone300101818
Pastoralassistent(inn)en1710165858
· Frauen910112828
· Männer80053030
Animateurs / Animatrices pastoraux IFM1590115353
· Frauen125084444
· Männer340399
Total538319227289-30
Anmerkung: Quelle: Bistum Lausanne, Genf und Freiburg

Das Bistum Lugano

Seelsorgende - Situation in den Bistümern

Das Bistum Lugano mit der geringsten Abnahme der Diözensanpriester

Das Bistum Lugano hat mit einem moderaten Rückgang seit 1983 mit Abstand die geringste Abnahme an Diözesanpriestern zu verkraften, die in der Pfarreiseelsorge tätig sind. Ebenfalls nur leicht zurückgegangen ist die Zahl der in den Tessiner Pfarreien tätigen Ordenspriester. Wesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen haben dürfte das Priesterseminar des Neokatechumenalen Weges, in dem seit den 90er Jahren ein nicht geringer Teil der Neupriester ausgebildet wird. Auch wenn keine konkreten Daten dafür vorliegen, wie viele Seminaristen aus dem Ausland stammen, dürfte es sich doch um eine nicht zu vernachlässigende Zahl handeln.

Tabelle 4.13: Seelsorgende im Bistum Lugano 2017

SeelsorgendeSeelsorgende im Bistumsdienst 2017Pfarreiseelsorgende 1983Pfarreiseelsorgende 1995Pfarreiseelsorgende 2005Pfarreiseelsorgende 2011Pfarreiseelsorgende 2017Veränderung Pfarreiseelsorgende (N) 1983-2017
Diözesanpriester14415713412813396-61
Ordenspriester262527252020-5
Diakone6020300
Pastoralassistent(inn)en0000000
Total176182163153156116-66
Anmerkung: Im Bistum Lugano ist keiner der sechs ständigen Diakone im aktiven Dienst des Bistums. Bei den in der Tabelle aufgeführten Diakonen handelt es sich um Personen auf dem Weg zum Priesteramt. Quelle: Bistum Lugano