Taufe

Taufen
in der katholischen Kirche

 

Taufe

Das Feiern der Kasualien

Das Feiern der Kasualien, insbesondere der Sakramente, nimmt einen zentralen Platz ein im Leben der katholischen Kirche ein. Die sieben Sakramente – Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte, Ehe, Priesterweihe und Krankensalbung – begleiten den Menschen an zentralen Punkten seines Lebens: von der Geburt über das Erwachsenwerden bis hinein in Themen wie Schuld und Vergebung, Krankheit und Tod.

TaufeDie Taufe – leichte Abnahme

Nach wie vor werden Kinder von Eltern, die einer Kirche angehören, mehrheitlich auch getauft. Im Jahr 2016 wurden in den Schweizer Bistümern knapp 20‘000 Personen getauft. In den letzten Jahren hat die Zahl der Taufen abgenommen.

Tabelle 3.1.1: Katholische Taufen nach Bistümern 2016

Bistumabsolutpro 100'000 Mitglieder ab 15 Jahren
Basel6720764
Chur4336763
St. Gallen21691026
Sitten1646808
LGF3592707
Lugano1423703
Schweiz19886773
Anmerkung: Quelle: Pfarreierhebungen der Schweizer Bistümer 2016; Strukturerhebung 2015, BFS

Grafik 3.1: Katholische Taufen in den Schweizer Bistümern (1997–2016)

Eine Nachfrage bei den Stadtluzerner Pfarreien zeigt aber folgendes Bild: Im vergangenen Jahr verzeichneten die katholische und die reformierte Kirche insgesamt 311 Taufen auf Stadtgebiet. Im selben Zeitraum sind 831 Kinder zur Welt gekommen. Das ergibt eine Taufquote von 37 Prozent.

Robert Knobel

in: Taufe verliert an Anziehungskraft, Luzerner Zeitung vom 28. Juli 2017

Die Taufe
in der evangelisch-
reformierten Kirche

 

 

TaufeAbnahme der Taufzahlen in der evangelisch-reformierten Kirche

Noch stärker war die Abnahme bei den evangelisch-reformierten Kirchen. Im Jahr 20162 gab es rund 12‘500 reformierte Taufen.

Tabelle 3.2: Reformierte Taufen nach Landeskirchen (1960–2016)

Kanton196019701980199020002010201520161990-2015 (%)2000-2015 (%)
Aargau296726982215227115931'2211117985-51-43
Appenzell AR/AI486408362349251247251247-280
Basel Landschaft1308143411211207944668571541-53-65
Basel Stadt1693942469438212151126114-71-68
Bern-Jura-Solothurn1184310714794677705415437338083664-51-42
Freiburg333341242310239241187225-40-28
Genf EPG94775743544635621357118-87-525
Genf EELG43229416311915-5468
Glarus36222922220813996129122-38-8
Graubünden121011689741023823669601628-41-37
Neuenburg1159942616617452230127114-79-256
St. Gallen19781774152213921081870759844-45-42
Schaffhausen689543400414287227212131-49-35
Solothurn445391317354257208178172-50-44
Tessin989558473834-60-53
Thurgau1687129011601214939783736692-39-28
Waadt32962948214723001377904690613-70-100
Wallis7279709855777764-2129
Zentralschweiz873870673766662515527489-31-26
Zürich847270225592517137923'10629352682-43-29
Evangelisch-methodistische Kirche188256132151110855167-66-54
Reformierte Taufen4001234838267422663519048149621316412509-51-45
Anmerkung: Bis 1977 bilden das Tessin und die Zentralschweiz eine gemeinsame Kirche. Mittlerweile wurden in den einzelnen Zentralschweizer Kantonen eigenständige evangelisch-reformierte Landeskirchen errichtet. Quelle: Evangelisch-reformierte Kirchen der Schweiz; SEK; BFS

Konfession der Mutter

Taufe

Überalterung der Kirchen zeigt sich an den Taufzahlen

Die sinkenden Taufzahlen bedeuten nicht, dass Eltern, die Mitglied in einer der beiden Kirchen sind, ihre Kinder immer weniger taufen lassen. Grafik 3.2 vergleicht die katholischen und reformierten Taufen der letzten zwei Jahrzehnte auf dem Gebiet des Bistums St. Gallen mit den Geburten katholischer bzw. protestantischer Mütter. Dabei wird deutlich, dass sich die Zahlen der Taufen und Geburten fast parallel entwickeln. Dass immer weniger Personen getauft werden, liegt in erster Linie in der Überalterung der Kirchen und in der starken Veränderung der Religionslandschaft in den letzten Jahrzehnten. Hatten vor 20 Jahren auf dem Gebiet des Bistums St. Gallen noch über 80% der Neugeborenen eine katholische oder protestantische Mutter, so waren es 2012 nur noch 65%.

Grafik 3.2: Katholische/reformierte Taufen und Geburten mit katholischer/protestantischer Mutter in den Kantonen St. Gallen-Appenzell (1992–2011)

Anmerkung: Die Daten zu den Geburten mit protestantischer Mutter umfassen im Gegensatz zu den reformierten Taufen nicht nur die Mitglieder der evangelisch-reformierten Landeskirchen, sondern auch jene weiterer protestantischer Kirchen. Diese Daten liegen nur bis ins Jahr 2011 vor.

Die Situation in
Deutschland und

Österreich

 

 

TaufeTaufpraxis ist wie in der Schweiz stark verankert

Die gleichen Zusammenhänge lassen sich auch in Deutschland (Grafik 3.3) und Österreich (Grafik 3.4) feststellen, wo die Zahl der katholischen Taufen aber auch jene der Geburten noch etwas stärker zurückgegangen ist als in der Schweiz. Besonders gut beobachten lässt sich die Taufpraxis in Deutschland bis ins Jahr 2011, da hier nicht nur Daten zur Konfessionszugehörigkeit der Mütter von Neugeborenen vorhanden sind, sondern für beide Elternteile. Auf vier Geborene mit wenigstens einem katholischen Elternteil kamen 2011 knapp drei katholische Taufen. Wenn zumindest ein Elternteil katholisch oder evangelisch war, so kamen auf 100 Geborene 87 katholische oder evangelische Taufen. Beide Werte sind in den letzten Jahren etwas zurückgegangen, bleiben jedoch auf relativ hohem Niveau, was zeigt, dass die Taufpraxis bei den Kirchenmitgliedern nach wie vor stark verankert ist.

Grafik 3.3: Katholische und evangelische Taufen und Geburten in Deutschland (1955–2011)

Anmerkung: ab 1990 mit neuen Bundesländern. Die Daten zu den Geburten und der Religionzugehörigkeit der Eltern liegen nur bis ins Jahr 2011 vor.

Grafik 3.4: Katholische Taufen und Geburten mit katholischer Mutter in Österreich (1990–2016)

Anmerkung: Die Katholischen Taufen liegen durchwegs leicht höher als jene der Geburten mit katholischer Mutter. Möglicherweise werden Kinder von nichtkatholischen Müttern, aber katholischen Vätern im traditionell katholischen Österreich überdurchschnittlich oft katholisch getauft. Zu beachten ist aber auch, dass die Quellen der beiden Daten unterschiedlich sind.

Das Taufalter

 

TaufeTaufalter: die meisten werden vor dem 1. Lebensjahr getauft

Fast vier von fünf Kindern werden vor dem Ende des ersten Lebensjahrs getauft, ca. 15% sind zwischen einem und 6 Jahre alt und ca. 5% sind älter als 7 Jahre. Nur gerade knapp 1% der Taufen sind Erwachsenentaufen (über 18 Jahre). Nicht in allen Landesteilen werden die Kinder gleich früh getauft. In der Deutschschweiz findet die Taufe bei rund 85% der Kinder bereits im ersten Lebensjahr statt. In der französischsprachigen Schweiz ist dieser Wert tiefer. Bei 30% der Kinder erfolgt die Taufe hingegen erst im Alter zwischen einem bis sechs Jahren.

Grafik 3.5: Katholische Taufen in den Schweizer Bistümern 2016 nach Taufalter

Taufen und Bestattungen
im Vergleich
in der evangelischen Kirche

 

TaufeFolge der Überaltertung: mehr Bestattungen als Taufen

Grafik 3.6 zeigt, wie sich das Verhältnis zwischen reformierten Taufen und Bestattungen in der Schweiz seit 1950 verändert hat. Bis Anfang der 1970er Jahre überwogen die Taufen. Seither sterben deutlich mehr Reformierte als neue Kirchenmitglieder durch Taufen hinzukommen.

Grafik 3.6: Reformierte Taufen und Bestattungen in der Schweiz (1950–2016)

Taufen und Bestattungen
im Vergleich
Kanton Zürich

 

TaufeDie katholische Kirche ist weniger überaltert als die evangelisch-reformierte Kirche dank der Migration

Für die katholische Kirche liegen Langzeitdaten der kirchlichen Bestattungen nur für den Kanton Zürich vor (Grafik 3.7). Während bei den Zürcher Reformierten bereits seit 1971 ein Sterbeüberschuss existiert, wurden im Kanton Zürich bis 2001 noch mehr Katholiken getauft als bestattet. Seither gibt es einen leichten Sterbeüberschuss. Die katholische Kirche im Kanton Zürich ist also deutlich weniger überaltert als die evangelisch-reformierte Kirche, was wesentlich durch die Zuwanderung bedingt sein dürfte.

Grafik 3.7.1: Katholische und reformierte Taufen sowie Bestattungen im Kanton Zürich (1950–2016)

Taufen und Bestattungen
in den Nachbarländern

 

TaufeDeutschland: Überalterung der kath. Kirche weiter fortgeschritten als in der Schweiz

In Deutschland ist die Überalterung hingegen auch in der katholischen Kirche stark fortgeschritten. Ein katholischer Sterbeüberschuss existiert bereits seit längerer Zeit (Grafik 3.8). Zu beachten ist, dass die Zahl der Bestattungen nicht ganz identisch ist mit der Zahl der verstorbenen Kirchenmitglieder. Ein Blick nach Deutschland und Österreich zeigt, dass immer noch bei den meisten verstorbenen Katholiken eine kirchliche Bestattung stattfindet. In beiden Ländern sind die Werte in den letzten Jahren auf hohem Niveau leicht zurückgegangen.

Grafik 3.8.1: Katholische Taufen in Deutschland (1955–2016)