Taufe

Taufen
in der katholischen Kirche

 

Taufe

Das Feiern der Kasualien

Das Feiern der Kasualien, insbesondere der Sakramente, nimmt im Leben der katholischen Kirche einen zentralen Platz ein. Die sieben Sakramente – Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte, Ehe, Priesterweihe und Krankensalbung – begleiten den Menschen an zentralen Punkten seines Lebens: von der Geburt über das Erwachsenwerden bis hinein in Themen wie Schuld und Vergebung, Krankheit und Tod.

TaufeDie Taufe – leichte Abnahme

Nach wie vor werden Kinder von Eltern, die einer Kirche angehören, mehrheitlich auch getauft. Im Jahr 2018 wurden in den Schweizer Bistümern knapp 19‘000 Personen getauft. In den letzten Jahren hat die Zahl der Taufen abgenommen.

Tabelle 3.1.1: Katholische Taufen nach Bistümern 2018

Bistumabsolutpro 100'000 Mitglieder ab 15 Jahren
Basel6504753
Chur3916700
St. Gallen1998959
Sitten1512759
LGF3294662
Lugano1344684
Schweiz18568736
Anmerkung: Quelle: Pfarreierhebungen der Schweizer Bistümer 2018; Strukturerhebung 2017, BFS

Grafik 3.1: Katholische Taufen in den Schweizer Bistümern (1997–2018)

Eine Nachfrage bei den Stadtluzerner Pfarreien zeigt aber folgendes Bild: Im vergangenen Jahr verzeichneten die katholische und die reformierte Kirche insgesamt 311 Taufen auf Stadtgebiet. Im selben Zeitraum sind 831 Kinder zur Welt gekommen. Das ergibt eine Taufquote von 37 Prozent.

Robert Knobel

in: Taufe verliert an Anziehungskraft, Luzerner Zeitung vom 28. Juli 2017

Tabelle 3.10: Taufen in der katholischen Kirche, aufgeschlüsselt nach Bistümern und Kantonen

Bistümer/Kantone2012201320142015201620172018
Bistum Basel7386727470296837672064516504
AG1547145015341457144313941361
BE651647613595617552511
BL439433401361393364369
BS188191170163152172153
JU367412337346313274313
LU2321225321222092206019712035
SH87989386859691
SO742654666685583616609
TG566605590596609574630
ZG478531503456465438432
Bistum St. Gallen2161209121562054216919521998
AI167154150151139134144
AR8387961009910090
SG1911185019101803193117181764
Bistum Chur4790440643164308433641463916
GL89869383697881
GR542587515546562531478
NW275270263280262230250
OW290285282265249294276
SZ960822764792813735706
UR303198264240256251245
ZH2331215821352102212520271880
Bistum Lausanne-Genève-Fribourg3750367438793642359232483294
FR1515149114951456131413251292
GE776769902739900715790
NE310291233213239209209
VD114911231249123411399991003
Bistum Lugano1632155216641547142313771344
Bistum Sitten1899187718601798164615991512
Schweiz21618208742090420186198861877318568
Anmerkung: In den beiden Bistümern Sitten und Lausanne, Genf und Freiburg decken sich die Kantonsgrenzen nicht mit den Bistumsgrenzen. So gehören zum Bistum Sitten auch Teile des waadtländischen Distrikts Aigle, während die Walliser Pfarreien Saint-Maurice, Mex, Vernayaz, Salvan und Finhaut zur Territorialabtei St. Maurice zählen und die Pfarrei Saint Gingolph zur französischen Diözese Annecy. Die Zahlen für den Kanton Waadt sind ohne die zum Bistum Sitten gehörenden Pfarreien im Distrikt Aigle gerechnet. Quelle der Daten: Pfarreierhebungen der Schweizer Bistümer

Die Taufe
in der evangelisch-
reformierten Kirche

 

 

TaufeAbnahme der Taufzahlen in der evangelisch-reformierten Kirche

Noch stärker war die Abnahme bei den evangelisch-reformierten Kirchen. Im Jahr 2017 gab es noch knapp 12‘000 reformierte Taufen.

Tabelle 3.2: Reformierte Taufen nach Landeskirchen (1960–2017)

Kanton1960197019801990200020102015201620171990-2015 (%)2000-2015 (%)       
Aargau296726982215227115931'2211117985984-51-43
Appenzell AR/AI486408362349251247251247241-280
Basel Landschaft1308143411211207944668571541520-53-65
Basel Stadt1693942469438212151126114124-71-68
Bern-Jura-Solothurn11843107147946777054154373380836643558-51-42
Freiburg333341242310239241187225197-40-28
Genf EPG94775743544635621357118113-87-525
Genf EELG4322941631191514-5468
Glarus36222922220813996129122125-38-8
Graubünden121011689741023823669601628559-41-37
Neuenburg1159942616617452230127114104-79-256
St. Gallen19781774152213921081870759844756-45-42
Schaffhausen689543400414287227212131150-49-35
Solothurn445391317354257208178172155-50-44
Tessin98955847383424-60-53
Thurgau1687129011601214939783736692685-39-28
Waadt32962948214723001377904690613527-70-100
Wallis727970985577776453-2129
Zentralschweiz873870673766662515527489471-31-26
Zürich847270225592517137923'106293526822509-43-29
Evangelisch-methodistische Kirche18825613215111085516760-66-54
Reformierte Taufen400123483826742266351904814962131641250911929-51-45
Anmerkung: Bis 1977 bilden das Tessin und die Zentralschweiz eine gemeinsame Kirche. Mittlerweile wurden in den einzelnen Zentralschweizer Kantonen eigenständige evangelisch-reformierte Landeskirchen errichtet. Quelle: Evangelisch-reformierte Kirchen der Schweiz; SEK; BFS

Konfession der Mutter

Taufe

Überalterung der Kirchen zeigt sich an den Taufzahlen

Die sinkenden Taufzahlen bedeuten nicht, dass Eltern, die Mitglied in einer der beiden Kirchen sind, ihre Kinder immer weniger taufen lassen. Grafik 3.2 vergleicht die katholischen und reformierten Taufen der letzten zwei Jahrzehnte auf dem Gebiet des Bistums St. Gallen mit den Geburten katholischer bzw. protestantischer Mütter. Dabei wird deutlich, dass sich die Zahlen der Taufen und Geburten fast parallel entwickeln. Dass immer weniger Personen getauft werden, liegt in erster Linie in der Überalterung der Kirchen und in der starken Veränderung der Religionslandschaft in den letzten Jahrzehnten. Hatten vor 20 Jahren auf dem Gebiet des Bistums St. Gallen noch über 80% der Neugeborenen eine katholische oder protestantische Mutter, so waren es 2012 nur noch 65%.

Grafik 3.2: Katholische/reformierte Taufen und Geburten mit katholischer/protestantischer Mutter in den Kantonen St. Gallen-Appenzell (1992–2011)

Anmerkung: Die Daten zu den Geburten mit protestantischer Mutter umfassen im Gegensatz zu den reformierten Taufen nicht nur die Mitglieder der evangelisch-reformierten Landeskirchen, sondern auch jene weiterer protestantischer Kirchen. Diese Daten liegen nur bis ins Jahr 2011 vor.

Die Situation in
Deutschland und

Österreich

 

 

TaufeTaufpraxis ist wie in der Schweiz stark verankert

Die gleichen Zusammenhänge lassen sich auch in Deutschland (Grafik 3.3) und Österreich (Grafik 3.4) feststellen, wo die Zahl der katholischen Taufen aber auch jene der Geburten noch etwas stärker zurückgegangen ist als in der Schweiz. Besonders gut beobachten lässt sich die Taufpraxis in Deutschland bis ins Jahr 2011, da hier nicht nur Daten zur Konfessionszugehörigkeit der Mütter von Neugeborenen vorhanden sind, sondern für beide Elternteile. Auf vier Geborene mit wenigstens einem katholischen Elternteil kamen 2011 knapp drei katholische Taufen. Wenn zumindest ein Elternteil katholisch oder evangelisch war, so kamen auf 100 Geborene 87 katholische oder evangelische Taufen. Beide Werte sind in den letzten Jahren etwas zurückgegangen, bleiben jedoch auf relativ hohem Niveau, was zeigt, dass die Taufpraxis bei den Kirchenmitgliedern nach wie vor stark verankert ist.

Grafik 3.3: Katholische und evangelische Taufen und Geburten in Deutschland (1955–2018)

Anmerkung: ab 1990 mit neuen Bundesländern. Die Daten zu den Geburten und der Religionzugehörigkeit der Eltern liegen nur bis ins Jahr 2011 vor.

Grafik 3.4: Katholische Taufen und Geburten mit katholischer Mutter in Österreich (1990–2017)

Anmerkung: Die Katholischen Taufen liegen durchwegs leicht höher als jene der Geburten mit katholischer Mutter. Möglicherweise werden Kinder von nichtkatholischen Müttern, aber katholischen Vätern im traditionell katholischen Österreich überdurchschnittlich oft katholisch getauft. Zu beachten ist aber auch, dass die Quellen der beiden Daten unterschiedlich sind.

Das Taufalter

 

TaufeTaufalter: die meisten werden vor dem 1. Lebensjahr getauft

Drei Viertel der Kinder werden vor dem Ende des ersten Lebensjahrs getauft, ca. 18% sind zwischen einem und 6 Jahre alt und ca. 5% sind älter als 7 Jahre. Nur gerade gut 1% der Taufen sind Erwachsenentaufen (über 18 Jahre).

Grafik 3.5: Katholische Taufen in den Schweizer Bistümern 2018 nach Taufalter

Taufen und Bestattungen
im Vergleich
in der evangelischen Kirche

 

TaufeFolge der Überaltertung: mehr Bestattungen als Taufen

Grafik 3.6 zeigt, wie sich das Verhältnis zwischen reformierten Taufen und Bestattungen in der Schweiz seit 1950 verändert hat. Bis Anfang der 1970er Jahre überwogen die Taufen. Seither sterben deutlich mehr Reformierte als neue Kirchenmitglieder durch Taufen hinzukommen.

Grafik 3.6: Reformierte Taufen und Bestattungen in der Schweiz (1950–2017)

Taufen und Bestattungen
im Vergleich
Kanton Zürich

 

TaufeDie katholische Kirche ist weniger überaltert als die evangelisch-reformierte Kirche dank der Migration

Für die katholische Kirche liegen Langzeitdaten der kirchlichen Bestattungen nur für den Kanton Zürich vor (Grafik 3.7). Während bei den Zürcher Reformierten bereits seit 1971 ein Sterbeüberschuss existiert, wurden im Kanton Zürich bis 2001 noch mehr Katholiken getauft als bestattet. Seither gibt es einen leichten Sterbeüberschuss. Die katholische Kirche im Kanton Zürich ist also deutlich weniger überaltert als die evangelisch-reformierte Kirche, was wesentlich durch die Zuwanderung bedingt sein dürfte.

Grafik 3.7.1: Katholische und reformierte Taufen sowie Bestattungen im Kanton Zürich (1950–2017)

Taufen und Bestattungen
in den Nachbarländern

 

TaufeDeutschland: Überalterung der kath. Kirche weiter fortgeschritten als in der Schweiz

In Deutschland ist die Überalterung hingegen auch in der katholischen Kirche stark fortgeschritten. Ein katholischer Sterbeüberschuss existiert bereits seit längerer Zeit (Grafik 3.8). Zu beachten ist, dass die Zahl der Bestattungen nicht ganz identisch ist mit der Zahl der verstorbenen Kirchenmitglieder. Ein Blick nach Deutschland und Österreich zeigt, dass immer noch bei den meisten verstorbenen Katholiken eine kirchliche Bestattung stattfindet. In beiden Ländern sind die Werte in den letzten Jahren auf hohem Niveau leicht zurückgegangen.

Grafik 3.8.1: Katholische Taufen und Bestattungen in Deutschland (1955–2018)