Hochzeit

Trauungen
in der evangelisch- reformierten Kirche

TrauungenTrauungen in der evangelisch-reformierten Kirche erleben starken Einbruch

Einen starken Einbruch erlebten die reformierten Trauungen. Die Trauzahlen der evangelisch-reformierten Kirchen lassen sich bis 1960 zurückverfolgen. Wurden damals noch mehr als 16‘000 Paare reformiert getraut, waren es 2016 noch rund 3500 Paare. Die zivilen Eheschliessungen in der Schweiz blieben hingegen seit 1960 mit rund 42‘000 Trauungen relativ stabil (Tabelle 3.4). Zu beachten ist allerdings, dass die Gesamtbevölkerung im gleichen Zeitraum um fast 50% zugenommen hat.

Tabelle 3.4: Reformierte Trauungen nach Landeskirchen (1960–2016)

Kanton196019701980199020002010201520161990-2015 (%)
Aargau10621332985862396449235231-73
Appenzell AR/AI22620615616878806964-59
Basel Landschaft523720533682277222166182-76
Basel Stadt64851322122252493429-85
Bern-Jura-Solothurn48425664463238061889135411371076-70
Freiburg10113810712190736945-43
Genf EPG4475282543291721184648-86
Genf EELG1123101010323-80
Glarus108118897839302827-64
Graubünden469592459491315288195215-60
Neuenburg546628296328213975852-82
St. Gallen754797487457242218144169-68
Schaffhausen25533023021093747272-66
Solothurn1121669811160473829-66
Tessin575936232024-66
Thurgau597684510470273256197229-58
Waadt1728199814481297833526319260-75
Wallis2124466637413223-52
Zentralschweiz306437230276136134126107-54
Zürich34453527234923061223926745659-68
Evangelisch-methodistische Kirche78104847766494847-38
Reformierte Trauungen in der Schweiz162791852913281124266530505737803591-70
Zivile Eheschliessungen in der Schweiz4157446693357214660339758432574143741646-11
Anmerkung: Bis 1977 gehörten Tessin und Zentralschweiz zusammen. Mittlerweile wurden in den einzelnen Zentralschweizer Kantonen eigenständige evangelisch-reformierte Landeskirchen errichtet. Quelle: Evangelisch-reformierte Landeskirchen; SEK; BFS

Die Kirchen erhalten vermehrt Konkurrenz bei der Gestaltung von Trauungen, wie z.B. im Kanton Genf. So berichtet das Newsportal watson.ch: Lehrgang für konfessionslose Zeremonienmeister Auch die Migros Klubschule springt nun auf den Trend auf. Ab Herbst wird in Genf zum ersten Mal ein Lehrgang angeboten, in dem Interessierte zu «officiants laics» (zu deutsch in etwa: laizistischer Zeremoniemeister) ausgebildet werden. Es handelt sich um ein Pilotprojekt.

Camille Kündig

in: Mit Schleier, aber ohne Gott: Konfessionslose Hochzeiten sind im Trend, Watson vom 23. Juli 2017

Trauungen
in der katholischen Kirche

TrauungenGleiche Tendenz in der katholischen Kirche: Abnahme der katholischen Trauungen

Im Jahr 2016 wurden in der Schweiz rund 3500 Paare katholisch getraut. Die Zahl der katholischen Trauungen ist in den letzten 15 Jahren in den Bistümern Sitten, Lugano und St. Gallen, wo auch Langzeitdaten vorliegen, um mehr als 40% zurückgegangen.

Grafik 3.13: Katholische Trauungen in den Bistümern St. Gallen, Sitten und Lugano (1997–2016)

Trauungen und
zivile Eheschliessungen

TrauungenZivile Eheschliessungen und Religionszugehörigkeit

Das Bundesamt für Statistik erhebt für die zivilen Eheschliessungen auch die Religionszugehörigkeit der Eheschliessenden. Abbildung 3.14 zeigt die entsprechenden Ergebnisse.

TrauungenKatholische Trauung: 1x, während reformierte Trauungen: mehrmal

Einen gewissen Einfluss auf die Unterschiede zwischen den beiden Kirchen haben dürfte, dass sich katholische Geschiedene im Gegensatz zur Praxis in den reformierten Kirchen kein zweites Mal kirchlich trauen lassen können. Weiter ist zu beachten, dass zwischen den Kantonen und Regionen Unterschiede in Bezug auf die Praxis der kirchlichen Trauungen bestehen. Im Bistum St. Gallen liegt beispielsweise die Trauquote bei Paaren, die beide der katholischen Kirche angehören ähnlich hoch wie bei der evangelisch-reformierten Kirche.

TrauungenHeirat wird zum „weltlich Ding“

Für die römisch-katholische Kirche liegen keine gesamtschweizerischen Langzeitdaten vor. Daten aus dem Bistum St. Gallen zeigen jedoch ebenfalls einen starken Einbruch bei der katholische Trauquote in den letzten 20 Jahren. Der Rückgang der kirchlichen Trauungen macht deutlich, dass die Eheschliessung immer mehr zu einem rein «weltlich Ding» wird und die religiöse Dimension der Ehe stark an Bedeutung verloren hat.

Grafik 3.14:  Zivile Eheschliessungen und Religionszugehörigkeit (1991–2016)

Es ist eine Kernkompetenz der Kirchen, Menschen zu begleiten. Das neue Online-Portal der drei Landeskirchen www.kirchlich-heiraten.lu unterstützt Paare bei der Vorbereitung auf die kirchliche Trauung. Es bietet Informationen, Links, Checklisten und stellt beliebte Hochzeitskirchen und -kapellen im Kanton Luzern vor.

Katholische Kirche im Kanton Luzern

1.6.2017

Trauquoten

TrauungenLangzeitdaten zu den kirchlichen Trauquote

Grafik 3.14 zeigt die Entwicklung der kirchlichen Trauquote bei den reformierten Kirchen und der katholischen Kirceh seit dem Jahr 2010.  Während die katholische Trauquote sich in den letzten Jahre verringert hat und im Jahr 2015 bei ca. einem Drittel (beide Ehepartner katholisch) bzw. 23% (mit kath. Beteiligung) liegt, beträgt die evang.-ref. Trauquote ca. 30% (mit ref. Beteiligung) bzw. ca. 50% (beide Ehepartner evang.-ref.).

Tabelle 3.5: Katholische Trauungen und zivile Eheschliessungen (2011-2016)

 201120122013201420152016
Total zivile Eheschliessungen420834265439794418914143741646
Zivile Eheschliessungen mit kath. Beteiligung187461878217053175481669716196
Zivile Eheschliessungen beide Ehepartner katholisch825784587597776674047165
Total kirchliche katholische Trauungen519545464091407437663580
Total kirchliche katholische Trauungen: beide Ehepartner katholisch365531822929291927292571
Katholische Trauquote (%) von mit katholischer Beteiligung282424232322
Katholische Trauquote (%) beide Ehepartner katholisch443839383736
Anmerkung: Quelle: BFS; Annuarium Statisticum

Tabelle 3.6: Evangelisch-reformierte Trauungen und zivile Eheschliessungen (2010-2016)

 2010201120122013201420152016
Total zivile Eheschliessungen43257420834265439794418914143741646
Zivile Eheschliessungen mit evang.-ref. Beteiligung15680147911461013157133851271212364
Zivile Eheschliessungen beide Ehepartner evang.-ref.5237491448394204418840573911
Total kirchliche evang.-ref. Trauungen5057458846353985396937803591
Total kirchliche evang.-ref. Trauungen: beide Ehepartner evang.-ref.2957228226902170219720301901
Evang.-ref. Trauquote (%) von mit evang.-ref. Beteiligung32313230303029
Evang.-ref. Trauquote (%): beide Ehepartner evang.-ref.56465652525049
Anmerkung: Quelle: Evangelisch-reformierte Landeskirchen der Schweiz; SEK; BFS

Konfessionelle Zusammensetzung
kath. Trauungen

TrauungenKirchliche Trauungen meist unter Gleichgläubigen

2015 waren bei etwas mehr als 70% der katholischen Trauungen beide Ehepartner katholisch (Grafik 3.15). Der Anteil der konfessionsverschiedenen Trauungen betrug ca. 20%. Relativ selten sind katholische Trauungen, bei denen ein Ehepartner einer anderen Religionsgemeinschaft angehört oder konfessionslos ist. Zwischen den Bistümern gibt es Unterschiede in der konfessionellen Zusammensetzung der katholischen Trauungen, was in erster Linie auf die unterschiedliche religiöse Landschaft in den Bistumskantonen zurück zu führen ist. So waren 2015 in den traditionell stark katholisch geprägten Bistümern Sitten und Lugano bei mehr als 80% der katholischen Trauungen beide Ehepartner katholisch, während dies in den Bistümern Basel, Chur und St. Gallen nur bei zwei Dritteln der Trauungen der Fall war.

Grafik 3.15: Konfessionelle Zusammensetzung der katholischen Trauungen nach Bistümern (2016)

Konfessionelle Zusammensetzung
evangelische Trauungen

TrauungenNur etwas über die Hälfte heiraten kirchlich unter sich – konfessionshomogene Heiraten sinken

Grafik 3.16 zeigt, wie sich die konfessionelle Zusammensetzung der evangelisch-reformier­ten Trauungen seit 1950 verändert hat. Waren 1950 noch bei rund 86% der reformierten Trauungen beide Ehepartner reformiert, sinkt dieser Wert seither. Die Veränderung widerspiegelt die Tatsache, dass die evangelisch-reformierte Kirche mittlerweile nur noch in wenigen Kantonen eine deutliche Mehrheit stellt. Die Wahrscheinlichkeit einer konfessionshomogenen Eheschliessung hat dadurch stark abgenommen. Dies gilt umso mehr, als für die Mitglieder der beiden grossen Kirchen in den meisten Fällen die Konfessionszugehörigkeit des Ehepartners nur noch eine untergeordnete Rolle spielen dürfte.

Grafik 3.16: Konfessionelle Zusammensetzung der evangelisch-reformierten Trauungen (1950–2012)

Die Situation in in Deutschland,
Österreich
und Frankreich

TrauungenÄhnliche Entwicklungen in Deutschland, Österreich und Frankreich

Ein Blick in die Nachbarländer macht deutlich, dass die Entwicklungen in den Nachbarländern in den letzten Jahrzehnten sehr ähnlich verlaufen sind (Grafik 3.17). In Deutschland, Österreich und Frankreich hat sich die Zahl der katholischen Trauungen in den letzten zwanzig Jahren mehr als halbiert. Der Rückgang übertrifft dabei die Abnahme der zivilen Eheschliessungen deutlich. Immer seltener folgt damit auf eine zivile Eheschliessung auch eine kirchliche Trauung.

Grafik 3.17: Katholische Trauungen in Deutschland und Österreich (1960–2015) sowie Frankreich (1990–2015)